Am Brezelsonntag geht Liebe durch den Magen
Veröffentlicht
von
Yves Greis
am 29/03/2025 um 11:03

An diesem Sonntag ist Bretzelsonndeg – eine liebgewordene Tradition in Luxemburg. An diesem Tag ist es Brauch, dass Männer ihrem Herzblatt eine Brezel (aus Blätterteig) schenken – sei sie ganz einfach, gefüllt oder mit Mandeln belegt. Wird die Liebe erwidert, kann sie ihre Zuneigung zeigen, indem sie ihm zu Ostern ein Schokoladenei überreicht. Eine Besonderheit des Brauchs will, dass die Geschlechterrollen in Schaltjahren vertauscht sind. Dann ist es an den Frauen eine Brezel zu verschenken. Eine (zugegebenermaßen sehr heteronormative) Tradition, die in Luxemburg eine hohe Beachtung findet, und über das Land hinaus bekannt geworden ist.
“Aus geschäftlicher Sicht ist der Brezelsonntag für mich die beste Zeit im Jahr”, erzählt Bäcker Jos Peschong, der drei Ladenlokale im Osten Luxemburgs betreibt. Am Brezelsonntag kommen drei Verkaufsstände in und um Grevenmacher hinzu, an denen die Leckerei gekauft werden kann. Nicht einmal Ostern und Weihnachten reichen an dieses Geschäft heran. “Vor 50 Jahren habe ich zum ersten Mal einen solchen Stand in Grevenmacher aufgemacht”, erinnert sich der 75-jährige Geschäftsmann. Sein Vater hatte den Bäckereibetrieb 1945 gegründet.
In der Hauptstadt, im Minett und im Ösling betreibt Jos Peschong keine Verkaufsstände. “Allerdings kommen Kunden von überall dort zu mir, um eine Brezel zu kaufen”, erzählt er stolz. “Wir sind für unsere Brezeln bekannt. Wahrscheinlich machen wir die Besten, sonst würden die Kunden nicht von so weit her zu uns kommen.” Ein Teil des Erfolgs ist ein Geheimrezept, das Jos Peschong nicht preisgeben will.
Von nah und fern
Mehr als 1.000 Brezeln produziert die Bäckerei Peschong. Jos Peschong “dreht” sie alle selber, verspricht er, während seine Mitarbeiter andere Tätigkeiten übernehmen. Das Gros davon wird natürlich am Brezelsonntag verkauft. An den Ständen sind die handgemachten Leckereien aber bereits ab Freitag erhältlich.
Auch die deutschen Nachbarn und Grenzgänger haben den Brauch entdeckt, erklärt der Geschäftsmann. Einige kommen aus den umliegenden Dörfern, etwa aus Nittel, um die Luxemburger Spezialität zu genießen. Viele Grenzgänger sehen einen Verkaufsstand auf dem Heimweg und halten, um ein Gebäckstück zu kaufen.
Aber werden die Brezeln auch wirklich gekauft, um sie zu verschenken? Oder sind doch viele Naschkatzen unterwegs, die das Gebäck für sich selbst einkaufen? “Es kommen tatsächlich viele Männer. Wir bieten Brezeln mit Petits Fours oder mit Pralinen an die als Geschenk verpackt sind. In den Jahren, in denen es die Rolle der Männer ist, die Brezel zu kaufen, werden davon mehr verkauft”, verrät Jos Peschong. Kassenschlager aber ist nach wie vor die bescheidene, einfache Brezel.
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